Nationales Forschungsprogramm «Digitale Resilienz kritischer Infrastrukturen» (NFP 86)

Das NFP 86 will die Widerstandsfähigkeit der kritischen Infrastrukturen der Schweiz gegenüber Cyberangriffen langfristig stärken. Dazu investiert es in eine agile und technologisch fortschrittliche kollektive Verteidigung.
Das Nationale Forschungsprogramm «Digitale Resilienz kritischer Infrastrukturen» (NFP 86) will die Widerstandsfähigkeit der kritischen Infrastrukturen der Schweiz gegenüber Cyberangriffen und anderen digitalen Störungen stärken.
Die Digitalisierung unserer Gesellschaft bietet viele Vorteile, birgt aber auch Risiken: Während sich die Digitalisierung kritischer Infrastrukturen beschleunigt hat, hat die Sicherheit der zugrunde liegenden Systeme nicht immer Schritt gehalten. Kritische Infrastrukturen betreffen viele Bereiche unseres Lebens, darunter die Energieversorgung, das Gesundheitswesen, den öffentlichen und gewerblichen Verkehr, die Logistik, das Bauwesen, die Kommunikation, die Landwirtschaft sowie die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Allein in der Schweiz sind Millionen von Geräten mit dem Internet verbunden, mehr Geräte, als das Land Einwohner:innen hat. Gleichzeitig nehmen Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen zu, auch in der Schweiz. Spitäler kamen zum Stillstand, Ransomware-Angriffe beeinträchtigten den öffentlichen Verkehr und in öffentlichen Verwaltungen kam es zu Datenschutzverletzungen. Solche Ereignisse verdeutlichen die zunehmende Anfälligkeit digital vernetzter Systeme und die Bedeutung einer stärkeren digitalen Resilienz der Schweiz.
Das NFP 86 fördert Forschungsvorhaben, welche die Wissensbasis zu Schwachstellen und Risiken erweitern sowie technisch realisierbare und gesellschaftlich akzeptable Lösungen entwickeln. Zudem untersucht es, wie Steuerungs- und Koordinationsmechanismen eine agile kollektive Cyberabwehr unterstützen und kritischen Infrastrukturen helfen können, digitalen Störungen wie Cyberangriffen oder Systemausfällen standzuhalten, sich anzupassen und sich davon zu erholen.
Das Programm umfasst vier Forschungsbereiche:
Der Forschungsbereich «Daten» befasst sich damit, welche Daten als relevante Cybersicherheitsdaten gelten und wie sich der Zugriff auf diese Daten sowie deren Aufbereitung, Schutz und Austausch zwischen Wissenschaft, Behörden und Betreibern kritischer Infrastrukturen verbessern lassen.
Der Forschungsbereich «Bewährte Verfahren» behandelt organisatorische, technische und betriebliche Verfahren, die als Stand der Technik gelten. Er beurteilt, wie sich diese in den verschiedenen Sektoren der kritischen Infrastruktur der Schweiz übernehmen, testen, anpassen und übertragen lassen.
Der Forschungsbereich «Anreize» untersucht die wirtschaftlichen, regulatorischen, verhaltensbezogenen und institutionellen Rahmenbedingungen, welche Investitionen in die Cybersicherheit und die Resilienz auf Systemebene beeinflussen.
Der Forschungsbereich «Kollektive Verteidigung» geht der Frage nach, wie Betreiber, Anbieter, Behörden, Regulierungsbehörden, Forschende und Nutzer:innen Zuständigkeiten, Informationsaustausch, Risikobewertung und gemeinsame Reaktionen vor, während und nach Cybervorfällen koordinieren können.
Das NFP 86 fördert interdisziplinäre Forschung und umfasst Elemente der transdisziplinären Forschung. Die Projekte müssen praxisnah sein und Akteure einbeziehen, deren Tätigkeit sich auf die Resilienz, die Kontinuität oder die Sicherheit kritischer Infrastrukturdienste auswirkt.