Nationales Forschungsprogramm «Psychische Gesundheit von Jugendlichen» (NFP 85)

Das NFP 85 schafft fundierte, praxisorientierte und politikrelevante Wissensgrundlagen, um die Anwendung von Präventions- und Frühinterventionsansätzen für Jugendliche in der Schweiz zu fördern.
Seit etwa einem Jahrzehnt werden in der Schweiz vermehrt psychische Probleme bei Jugendlichen festgestellt. Dieser Trend wird durch etablierte und neuere Risikofaktoren begünstigt. Zu den etablierten zählen soziodemografische Benachteiligung, psychische Probleme der Eltern, schwierige Familien- oder Peer-Beziehungen, mangelhafte Selbstregulation und soziale Kompetenzen. Neuere Faktoren sind z.B. problematische Nutzung digitaler Medien und negative Online-Erfahrungen, als zunehmend empfundener Leistungsdruck in der Schule und Bewegungsmangel. Hinzu kommen Zukunftssorgen der Jugendlichen, etwa wegen des Klimawandels, aktueller Kriege oder unsicherer Berufsperspektiven angesichts künstlicher Intelligenz.
Psychische Probleme treten häufig im Jugendalter auf und gefährden die langfristige psychische Gesundheit. Probleme und Ungleichheiten im Bereich der psychischen Gesundheit können sich im Laufe der Entwicklung häufen und bis ins Erwachsenenalter bestehen, wenn nicht interveniert wird. Daher ist die Adoleszenz eine wichtige Entwicklungsphase für Prävention und frühzeitige Intervention.
Das NFP 85 will umsetzungsnahes und skalierbares Wissen darüber schaffen, wie psychischen Problemen bei Jugendlichen vorgebeugt oder frühzeitig interveniert werden kann, bevor sich diagnostizierbare Störungen entwickeln. Das Programm stärkt die wissenschaftlichen Grundlagen für Präventions- und Frühinterventionsansätze, vertieft das Verständnis systemischer und struktureller Risiko- und Schutzfaktoren und unterstützt die Entwicklung politisch relevanter, praxisnaher Lösungen.
Das NFP 85 umfasst zwei Forschungsschwerpunkte:
Der Forschungsschwerpunkt 1 «Präventions- und Frühinterventionsansätze» untersucht, wie evidenzbasierte Interventionen an den Schweizer Kontext angepasst, weiterentwickelt und evaluiert werden können. Im Fokus stehen dabei insbesondere innovative, niederschwellige und skalierbare Ansätze, die über das traditionelle Gesundheitssystem hinausgehen und den Bedürfnissen unterschiedlicher sowie vulnerabler Jugendlicher gerecht werden.
Der Forschungsschwerpunkt 2 «Systemische Risiken und Schutzfaktoren» untersucht, wie strukturelle Bedingungen in formal organisierten Lebensbereichen – wie im Bildungswesen, in der Berufsbildung oder im obligatorischen Militär- und Zivildienst – die psychische Gesundheit von Jugendlichen beeinflussen. Ziel ist, systemische Merkmale zu identifizieren, die positive Entwicklungsverläufe fördern oder behindern.
Von allen Projekten wird erwartet, dass sie, möglichst mit Partner:innen aus der Praxis zusammenarbeiten und Ergebnisse liefern, die in politische Entscheidungen, die Systemausgestaltung sowie die Umsetzung von Präventions- und Frühinterventionsmassnahmen einfliessen können. Projekte im Forschungsschwerpunkt 1 müssen eine:n nicht akademische:n Projektpartner:in einbeziehen und ausdrücklich transdisziplinäre Elemente in ihrem Forschungsdesign verfolgen.
Das NFP 85 verfügt über ein Gesamtbudget von 7 Millionen Franken. Die Forschungsphase dauert vier Jahre.